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Homeoffice istock Personnelly

Immer mehr Arbeitnehmende profitieren von der Digitalisierung der Arbeitswelt. Eine neue Möglichkeit ist das Homeoffice. Dies führt allerdings zu einem verringerten persönlichen Austausch im Team und fordert von Mitarbeitenden Selbstdisziplin und von Führungskräften Vertrauen.

„Ich meine, das gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Management: Kunden zu begeistern und Mitarbeiter so zu führen, dass sie sich wohlfühlen und Spaß am Job haben.“     Bernhard Rohleder (Bitkom)

Sommer 2018: Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad. Wie ölige Sardinen kleben Menschen aneinander, denn wieder ist die U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit gnadenlos überfüllt. Kondenswasser tropft vom Deckenbereich in die Menge und der Schweißgeruch verschiedenster Achseln breitet sich in dem engen Abteil aus. Auch draußen steht die Hitze und verwandelt die gesamte Hauptstadt in eine öffentliche Großraumsauna. Endlich ist der Weg ins Büro geschafft, doch auch dieses ist nicht klimatisiert und ein leerer Schreibtisch reiht sich an den nächsten: Viele Kolleginnen und Kollegen haben sich entschieden, die Möglichkeit des Homeoffice zu nutzen. Sie arbeiten im klimatisierten Café oder bleiben im kühleren Zuhause. Doch wie kann ein Team funktionieren, wenn nur noch ein Bruchteil der Mitarbeitenden im Büro anwesend ist?


Homeoffice – Arbeitnehmende wollen

Wenn die Arbeit nicht mehr im Büro, sondern von zu Hause aus erledigt wird, handelt es sich um das sogenannte Homeoffice. Kommunikation zwischen Kollegen und Kolleginnen erfolgt dann digital. Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gibt es zwar nicht, doch untersagt ein Unternehmen den Mitarbeitenden diese flexible Arbeitsgestaltung, muss es schon mit vielen anderen Aspekten punkten, um sich im War for Talents – dem Kampf um gute Mitarbeitende – gegen andere Unternehmen durchzusetzen. Schließlich ist diese Arbeitsgestaltung für viele Arbeitnehmende schlichtweg praktisch und so gut in ihren Alltag integrierbar: Mal müssen die Kinder betreut werden, mal sollen Handwerksarbeiten in der Wohnung verrichtet werden. Zu guter Letzt bedeutet Homeoffice aber vor allem Selbstbestimmung und Ruhe. Dies empfindet auch Madita Best. Für die Babbel-Mitarbeitende ist „gerade im Großraumbüro konstant viel los. Zuhause arbeiten zu können, bedeutet für mich daher, Ruhe zum Abarbeiten zu haben und konzentriert Aufgaben erledigen zu können“.

 

doch können sie auch?

Laut den Ergebnissen mehrerer Studien steigert Homeoffice tatsächlich die Produktivität. So kommt zum Beispiel das Forscherteam um Nicholas Bloom von der Stanford University zu dem Ergebnis, dass Homeoffice zu mehr Zufriedenheit führt und die Produktivität der Mitarbeitenden um 13 Prozent steigert. Auf der anderen Seite sei jedoch die Anerkennung der geleisteten Arbeit geringer. An der Studie lassen sich gleich mehrere Schwachstellen des Prinzips Homeoffice erkennen: Viele Mitarbeitende schöpfen gerade aus der Anerkennung des Teams und der Leitung ihre innere Motivation. Außerdem erfordert Homeoffice eine große Selbstdisziplin, da die Gefahr besteht, das Privat- mit dem Berufsleben zu vermischen: Um Mitternacht oder am Wochenende schnell noch eine Mail zu beantworten, gehört längst zur alltäglichen Praxis vieler Angestellter – und dauert schließlich nur wenige Sekunden.So gelingt es den einen nicht, sich in ihrer Freizeit gedanklich von der Arbeit zu trennen, während es anderen wiederum schwer fällt, sich vollkommen auf die Arbeit zu konzentrieren: Da wäre die Spülmaschine, die nebenbei ausgeräumt werden muss, der Waschgang, der sowieso längst überfällig ist und aus dem Nebenzimmer ertönen laute Geräusche der spielenden Kinder. Fest steht, Homeoffice erfordert immer eine gewaltige Portion an Selbstdisziplin von den Mitarbeitenden, führt aber gleichzeitig auch zu einer höheren Zufriedenheit dieser.

Personnelly homeoffice 2 iStock- 

Homeoffice – Führungskräfte im Zwiespalt

Susanne Wechsler betritt das Großraumbüro des Unternehmens Babbel. Die Teamleiterin der Business-to-Business-Abteilung hat anders als die Mitarbeitenden keinen festen Sitzplatz – eine Maßnahme zur Förderung des Kontaktaustauschs mit verschiedenen Personen im Team. 

Normalerweise fällt es ihr schwer, noch einen freien Arbeitsplatz im Großraumbüro zu ergattern. In den vergangenen Wochen war dies kein Problem: Viele Tische blieben aufgrund der Hitze im Büro leer, Teammitglieder arbeiteten lieber von zu Hause. Bei ihrem Führungsstil sei ihr die Selbstbestimmung und persönliche Weiterentwicklung der einzelnen Teammitglieder besonders wichtig. Trotzdem trage auch der Teamzusammenhalt zu einer hohen Mitarbeitermotivation bei und dazu gehöre auch der zwischenmenschliche Austausch. Diese nur noch per Videochats abzuhalten findet die Vorgesetzte problematisch: „Durch Homeoffice geht schließlich auch vieles verloren und das kann auch die Technik nicht lösen.“


Susanne Wechsler mit TitelAls sie über den Verlust von dem persönlichen, direkten Austausch spricht, ist der Anfang Dreißigjährigen anzumerken, dass ihr das Thema Homeoffice schon einige Gedanken gekostet hat. Aus ihrer Perspektive ist die Grundvoraussetzung für Homeoffice, dem Team Vertrauen zu schenken. Dafür brauche es allerdings eine Verständigung innerhalb des Teams und eine Einigung auf gemeinsame Homeoffice-Gepflogenheiten. Dazu gehöre zum Beispiel die Diskussion der Frage, wie oft Homeoffice möglich ist, aber auch wie lange im Voraus es angekündigt werden muss. Schließlich nutzen „manche Teammitglieder die Möglichkeit öfter als andere und sagen auch gern erst am Morgen desselben Tages Bescheid. So war an einigen heißen Augusttagen nur ein Viertel des Teams vor Ort“, beurteilt Susanne Wechsler kritisch: „Eventuelle Meetings aus der Ferne wahrzunehmen, ist einfach. Doch zu hinterfragen, weshalb man selbst überhaupt noch im Büro erscheint, wenn alle anderen fehlen, ist problematischer.“

 

Homeoffice als Balanceakt

Im Moment suche sie daher noch nach der optimalen Lösung. Homeoffice vollständig zu verbieten, sei keine Option, doch vielleicht werde sie es an ein paar Tagen einschränken und an anderen wiederum dem gesamten Team anbieten. Zudem müsse die technische Infrastruktur – wie zum Beispiel Anrufweiterleitungen vom Firmentelefon aufs private Handy – rechtlich geprüft und aufgebaut werden. Letztendlich brauche die Telearbeit aber vor allem gewisse Regeln: So müsse sie rechtzeitig angekündigt werden, damit sich das ganze Team zumindest an gewissen Tagen von Angesicht zu Angesicht austauschen und sich für die Homeoffice-Tage entsprechend geeignete Aufgaben einplanen kann. Außerdem bedeutet „Homeoffice schließlich nicht, dass man Meetings nicht wahrnimmt“, betont Wechsler: „Durch die Digitalisierung können Mitarbeitende zum Beispiel durch Videochats trotzdem an der Diskussion teilnehmen.“ Des Weiteren fordert Susanne Wechsler eine noch stärkere Kommunikation seitens der Mitarbeitenden im Homeoffice: „Es wäre schön, wenn diejenigen trotz

homeoffice personnelly babbel

Homeoffice im Unternehmenschat aktiv sind, um die anderen am Fortschritt ihrer Arbeit teilhaben zu lassen. Dies reduziert schließlich die Hemmschwelle mal eben per Videocall anzurufen, sodass kurzfristige Abstimmungen nicht aufs nächste Wiedersehen verschoben werden müssen.“ Außerdem stärke dies das Vertrauen der Vorgesetzten und bedeute gleichzeitig auch einen Austausch zwischen den Kollegen und Kolleginnen sowie eine Orientierung für die Mitarbeitenden selbst. Letztendlich sei es auch eine Möglichkeit, den Mitarbeitenden die nötige Anerkennung zu gewährleisten.

Dem Zufall eine Chance geben

Im Februar dieses Jahres veröffentlichte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) in einer Studie, dass mittlerweile 39 Prozent der Unternehmen ihren Arbeitnehmenden Homeoffice erlauben – Tendenz steigend. Laut Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder wird sich Homeoffice durch die Digitalisierung als Standard durchsetzen. Auch bei der Bitkom sei die Heimarbeit inzwischen ein solcher Standard. In seinem Büroalltag beobachtet Rohleder, dass die Telearbeit den Teamzusammenhalt vor ganz neue Herausforderungen stellt: „Der Zufall hat immer seltener eine Chance – eine Begegnung auf dem Gang oder in der Küche. Es passiert, dass sich Mitarbeiter, die im selben Büro arbeiten so gut wie nie sehen.“ Neben der Möglichkeit zur Videokonferenz müssen Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden nicht vor Ort halten, das aktive Kennenlernen daher organisieren: „Dafür machen wir unter anderem Veranstaltungen“, berichtet der Geschäftsführer enthusiastisch, „wir waren jetzt gerade mit allen Mitarbeitern an einem See – klassischerweise nennt sich das Teambuilding, aber da wird natürlich auch bis morgens um fünf Uhr gefeiert.“ Außerdem werde gerade die einstige Teeküche zu einer richtig großen Küche ausgebaut, um so einen Begegnungsort für die Mitarbeitenden zu schaffen. Eine weitere Möglichkeit das Kennenlernen zu organisieren, seien die wöchentlichen Lucky Lunches: „Wir bezahlen das Essen und losen jede Woche vier Mitarbeitende aus, die dort gemeinsam ihre Mittagspause verbringen. So werden zufällig Leute zusammengebracht, die sich in vielen Fällen gar nicht richtig kennen.“

Rohleder betont, dass sich die Unternehmensführung für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sehr viel Mühe gebe: „Die Veranstaltungen die wir für das Team machen, sind uns genauso wichtig wie Veranstaltungen für die Kunden.“
Doch für den Geschäftsführer zahlt sich der Zusatzaufwand aus. Zusammenhalt fördern sei schließlich eine seiner Haupttätigkeiten: „Ich meine, das gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Management: Kunden zu begeistern und Mitarbeiter so zu führen, dass sie sich wohlfühlen und Spaß am Job haben.“homeoffice personnelly Babbel

Die 6 besten Tipps für Homeoffice, damit Team und Führungskräfte profitieren

  1. Einige Grundregeln bestimmen: Zum Beispiel Homeoffice nur an gewissen Tagen vorsehen.
  2. Technische Voraussetzungen für Homeoffice schaffen. So können Mitarbeitende dank digitaler Kommunikation an Meetings teilnehmen.
  3. Offene Kommunikation von beiden Seiten: Vorgesetzte sollten offen ihre Erwartungen mitteilen, während Mitarbeitende kommunizieren sollten, was sie am Tag leisten. So kann auch die nötige Anerkennung gewährleistet werden.
  4. Unternehmen können das Büro an den modernen Arbeitsalltag anpassen. Eine Küche als Begegnungsort in der Mittagspause ist eine Möglichkeit.
  5. Veranstaltungen organisieren: Teamevents dienen dem Teambuilding und der Mitarbeitermotivation.
  6. Zufällige Begegnungen fördern, zum Beispiel durch Lucky Lunches.

 

Annika Keilen
Editor; Main interests: culture & diversity in organizations
Aus einer wirtschaftlichen Perspektive ist es leicht, die Welt in Zahlen zu betrachten. Doch wo bleibt in dieser Welt der Mensch? Für Annika bilden die Mitarbeitenden das Herzstück eines Unternehmens. Bei Babbel sieht sie ihre Vorstellung umgesetzt, sodass sie von dieser Unternehmenskultur aus dem Büro hinaus berichtet.