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Nina Haber Zügelführung HR Personnelly

Ein Gespräch mit Nina Haber

Babbel – ein Unternehmen, das sich Digitalisierung auf die Fahne schreibt und für die interne Mitarbeiterfortbildung nur Präsenzkurse konzipiert. Wie passt das zusammen? Ein Gespräch mit der Babbel-Inhouse-Trainerin (Personalerin) und Unternehmensgründerin Nina Haber.

Personnel.ly: Nina, du bist Inhouse-Trainerin bei Babbel und damit für das Weiterbildungsprogramm der Mitarbeitenden zuständig. Was sind deine Aufgaben?
Zusammen mit meiner Kollegin Aleksandra Polyudova konzipiere ich das Jahresprogramm an Trainings und Workshops für unsere Führungskräfte und Mitarbeitenden. Hierzu greifen wir auf unser eigenes Wissen, Erfahrungen und Recherchen zurück und sprechen viel mit Kollegen aller Bereiche und Hierarchiestufen sowie dem Management. Außerdem bilden wir uns regelmäßig fort und haben ein starkes externes Netzwerk. Aus diesen Quellen erstellen wir eine Vorauswahl. Die Mitarbeitenden bestimmen dann per Voting das finale Programm. Mein zweiter Aufgabenbereich ist die Konzeption und Durchführung dieser Trainings und Workshops sowie die Unterstützung von unseren internen Trainern aus allen Bereichen bei deren Trainingsvorbereitungen. Darüber hinaus gebe ich Vorträge bei verschiedenen Veranstaltungen und in anderen Unternehmen – das macht aber eher einen kleinen Bereich meiner Arbeit aus.

 
Wenn ich in das Jahresprogramm schaue, sind alle Kurse auf Präsenz der Teilnehmenden ausgerichtet. Babbel selbst ist eine Sprachlern-App – der Erfolg scheint nur einen E-Learning-Kurs entfernt. Warum konzipiert ihr Trainings für Mitarbeitende nicht auch in einem Online-Format?
Genau, bei uns in der Academy  (dem internen Weiterbildungsprogramm für Mitarbeitende) ist alles Classroom und eben nicht E-Learning. Das kann im ersten Moment paradox erscheinen, weil wir eine App entwickeln, von der ich übrigens wirklich begeistert bin. Auch mag die offline-Situation widersprüchlich erscheinen, weil bei uns hauptsächlich Millennials arbeiten, also Personen, die mit der Digitalisierung groß geworden sind. Nun könnte angenommen werden, dass Babbel alles online machen müsste, doch die Mitarbeitenden sitzen sowieso schon den ganzen Tag am Rechner. Sie haben daher eher einen größeren Gesprächsbedarf.

 "Ich habe den Eindruck, dass der Bedarf am Gespräch durch die Digitalisierung eher größer wird."

Die Entscheidung für Präsenzkurse liegt also am Gesprächsbedarf einer Generation?
Das ist zumindest ein Punkt. Wobei ich „Generation“ eher durch „Arbeitswelt“ ersetzen würde. Ich habe den Eindruck, dass der Bedarf am Gespräch durch die Digitalisierung eher größer wird. Außerdem lassen sich manche Bereiche online gar nicht oder zumindest schwer vermitteln – Softskills zum Beispiel.

Lehnst du E-Learning generell ab?Nina Haber erklärt Mitarbeiterfortbildung offline

Nein, überhaupt nicht. Ich komme ursprünglich sogar selbst aus der Branche. Es gibt viele Themen, für die sich E-Learning gut eignet – und viele sehr gute Anbieter für digitale Lerninhalte. Bei uns kann jeder einen Zugang zu diesen Apps oder Plattformen für die eigene Weiterentwicklung bekommen. Doch wir selbst stellen für die Academy keine E-Learning-Inhalte her. Das hat mehrere Gründe: Das Erstellen von guten

E-Learning-Kursen kann extrem aufwendig sein und die Nutzung bleibt fast immer hinter den Erwartungen zurück. Die Technik veraltet oft auch viel zu schnell und damit kann das Ganze sehr teuer – oder eben sehr unflexibel – werden.
Ein neues Thema für einen Workshop erstellen wir hingegen offline – wenn nötig – innerhalb von weniger als einer Woche. 
Darüber hinaus lassen sich viele unserer Themen schwer online vermitteln, so zum Beispiel Sozial- oder Methodenkompetenzen. Gutes Präsentieren oder Change Management lernt sich schlecht am Bildschirm. Bei vielen Themen lernen die Teilnehmenden außerdem deutlich mehr und engagierter, wenn sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen können und es direkt mit anderen üben beziehungsweise real anwenden können.

 

Warum?
Mitarbeitende denken oft, sie seien die Einzigen mit einem bestimmten Problem. In sogenannten Classroom-Trainings kommen sie aber oft zu der Erkenntnis, dass es anderen Mitarbeitenden genauso geht wie ihnen selbst. Dieser Mehrwert gegenüber individuellem E-Learning ist ein großer Gewinn für die Kursteilnehmenden. Manchmal vielleicht sogar mehr als die Inhalte selbst.


Dieser soziale Mehrwert steht auch bei deinem Unternehmen Zügelführungim Mittelpunkt. Fernab der Bürowelt gibst du Führungskräften und Teams Trainings auf dem Reiterhof. Wie funktioniert das Konzept konkret?
Zunächst einmal komplett offline. Die Teilnehmenden führen das Pferd und reflektieren im Anschluss mit mir als Coach die Interaktion zwischen sich und dem Tier. Das Pferd selbst dient also eher als eine Art Anstoß zur Selbstreflexion. So wirken die Herdentiere in vielen Fällen wie eine Metapher, indem sie das Verhalten von uns Menschen spiegeln. Ich beobachte dementsprechend sehr oft, dass Gesichtsausdrücke und zum Beispiel Fußfolgen von Mensch und Tier größtenteils identisch sind.14976767_504444596347053_4432722370730344632_o
Das Spannendste ist aber die anschließende Interpretation und Reflektion mit den Teilnehmenden. Denn in der Art wie Führungskräfte mit dem Pferd spazieren gehen, kann ich zum Beispiel ihre Führungsstile erkennen. Das wird daran deutlich, wie sie den Strick halten, aber auch, ob sie vor, neben oder hinter dem Pferd gehen. Diese Handlungsmuster versuche ich zusammen mit den Führungskräften zu reflektieren und auch zu variieren. Denn wenn sich das Verhalten der Führungskraft ändert, wandelt sich auch das Verhalten des Pferdes.

"Pferde sind genauso wie die Mitarbeitenden ganz unterschiedlich und nicht jeder Führungsstil passt zu jedem Pferd."

Wenn du einen Führungsstil erkannt hast und es zwischen dem Pferd und der Führungskraft gar nicht harmonierte, wie arbeitest du weiter?
Ich frage erst mal, wie der- oder diejenige die Runde empfand. Meistens sagen die Führungskräfte von sich aus so etwas wie: „… war nicht so entspannt.“ Anschließend stelle ich allen Kursteilnehmenden die Frage: „Was glaubt ihr, was dieses Pferd für einen Führungsstil braucht?“ Denn Pferde sind genauso wie die Mitarbeitenden ganz unterschiedlich und nicht jeder Führungsstil passt zu jedem Pferd. Danach wird ausprobiert, indem die Führungskraft das Pferd zum Beispiel mal enger und mal lockerer führt und das Verhalten des Pferdes beobachtet. Am Ende sollten sich Mensch und Pferd wohlfühlen.

Mitarbeiterfortbildungen HR Pferde

Wohlfühlen zwischen Mensch und Tier ist eine Sache. Aber Wohlfühlen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden – ist das nicht etwas ganz anderes?
Die Reaktionen der Pferde sind zu 99 Prozent auf den Alltag übertragbar. In der letzten Woche hatte ich zum Beispiel ein Training, in dem eine Führungskraft sagte: „Mir ist das Pferd zu nahe gekommen.“ Daraufhin haben wir in der Gruppe erfragt, ob ihr auch einige Mitarbeitende zu nahekommen. Damit meine ich nicht unbedingt nur körperlich, sondern auch inhaltlich in den persönlichen Aufgabenbereich hinein. Nachdem sie dies bejahte, haben wir ihren Umgang mit dem Pferd beobachtet. Sie machte sich immer kleiner, je näher das Pferd kam. Danach haben wir sie aufgefordert, ihren Bereich zu vergrößern. Wenn dann jemand in den großen Bereich eintritt, ist er immer noch nicht in ihrem privaten. Als sie das tat, kam das Pferd ihr nicht mehr zu nahe, auch wenn es für sie noch eine gewöhnungsbedürftige Situation war.


Und das lag nicht am Pferd, sondern an ihr?
Genau, denn das Pferd hat sich bei den anderen der Gruppe nicht so aufdringlich angenähert. Also es hat es probiert, ja, aber es dann auch direkt gelassen.


Zum Abschluss eine andere Frage: Du arbeitest nicht nur bei Babbel und hast dein eigenes Unternehmen, sondern auch noch ein kleines Kind. Ist Vereinbarkeit möglich?
Ja, schließlich arbeite ich nur 28 Stunden bei Babbel und gebe pro Monat nur 1 bis 2 Tages-Trainings mit dem Pferd. Das sind dann nicht mal 40 Stunden in der Woche. Aber die Zeitmanagement-Kurse überlasse ich trotzdem gerne meiner Kollegin Aleks.

 

Annika Keilen
Editor; Interessen: Kultur & Diversität in Organisationen
Aus einer wirtschaftlichen Perspektive ist es leicht, die Welt in Zahlen zu betrachten. Doch wo bleibt in dieser Welt der Mensch? Für Annika bilden die Mitarbeitenden das Herzstück eines Unternehmens. Bei Babbel sieht sie ihre Vorstellung umgesetzt, sodass sie von dieser Unternehmenskultur aus dem Büro hinaus berichtet.