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Ein Gespräch mit Anja-Simone Michalski, Vetriebsleiterin des Magazins Neue Narrative über Neues Arbeiten im Redaktionsalltag, das Teilen von Praxistools und die neuste Ausgabe.                                 Foto:  Carolin Weinkopf

 


Personnel.ly: Was war eure Motivation die Neue Narrative zu starten?

Anja: Das Magazin Neue Narrative ist ein Kind des Unternehmens TheDive, einem Thinktank (dt. Denkfabrik) und einer Beratung für Organisationsentwicklung. Bei unserem letzten Offsite – einer Unternehmenspraxis, bei der wir uns bewusst gemeinsam zurückziehen, um uns selbst zu überdenken – haben wir festgestellt, dass es derzeit noch kein Magazin gibt, das Geschichten aus der Praxis des Neuen Arbeitens erzählt, von neuen Organisationsformen und vor allem auch von den Möglichkeiten lebensdienlichen Wirtschaftens. Die Frage nach diesen Möglichkeiten treibt auch TheDive an. Wir wollten all diese Geschichten in einen Kontext bringen, der zum Dialog einlädt. Das war die Ausgangsidee für Neue Narrative. Auf das erste Magazin gab es dann sehr viel positives Feeback - und das hat uns ermuntert, weiterzumachen.

Und an wen richtet sich euer Magazin?

Neue Narrative richtet sich im Prinzip an alle Menschen, die sich professionell oder privat mit Fragen zum Neuen Arbeiten und Wirtschaften auseinandersetzen: Wie wollen wir im Arbeitskontext miteinander umgehen? Wie wollen wir uns organisieren und wie wollen wir als Wirtschaftende, beziehungsweise als Wirtschaftssystem, mit unserem Planeten umgehen? Daraus ergibt sich eine relativ breite Leserschaft, die von Organisationsentwickler*innen über Berater*innen, Nachhaltigkeitsexpert*innen bis hin zu eigentlich allen Menschen aus der täglichen Praxis des Arbeitens reicht.


Der Name Neue Narrative klingt etwas intellektuell. Inwieweit denkst du, beeinflusst euer Magazin auch traditionelle Arbeitsbereiche, wie beispielsweise das Handwerk?

Sehr gute Frage. Es gibt in unserem Heft immer wieder Themen und Artikel, die eine recht breite “soziale Streuung” haben. Wir haben schon Reportagen über mittelständische Familienunternehmen geschrieben, über Bäckereien, etc. Und all diese Leute arbeiten in Organisationen, die unfassbar spannend und agil sind. Wir hoffen natürlich, dass das Magazin auch tatsächlich in der Praxis landet und nicht nur dort, wo in der Theorie darüber gefachsimpelt wird. Das ist übrigens auch eine wichtige Aufgabe für mich als Vertrieblerin: das Heft dort hinzubringen, wo es üblicherweise nicht so einfach hinkommt.

Viele scheinen nach wie vor der Meinung zu sein, dass man sein eigenes Wissen hüten und nicht einfach für 9,80 € offenlegen sollte.

Recht einzigartig an eurem Magazin: die interaktiven Elemente. Was glaubt ihr, warum gibt es hierfür so wenig Nachahmer?

Wir haben in der Tat viel erstauntes Feedback dazu bekommen, dass wir unsere Ideen und vor allem unsere Tools, also die kleinen Übungen und Anleitungen, die wir im Heft abdrucken, so offen teilen. Viele scheinen nach wie vor der Meinung zu sein, dass man sein eigenes Wissen hüten und nicht einfach für 9,80 € offenlegen sollte. Aber wir glauben, dass unsere Tools tatsächlich nützlich sind, und haben uns gerade deshalb entschieden, sie nicht für uns zu behalten. Letztlich wollen wir unseren Leser*innen mit unseren Werkzeugen helfen, weiterzukommen und Probleme anzugehen. Denn genau darum geht es uns ja: einen Dialog über und hin zu einer lebensdienlichen Wirtschaft anzustoßen und mitzugestalten. Das ist eine große Aufgabe, die wir nur vorantreiben können, wenn wir die Karten auf den Tisch legen. Da kann es nicht mehr um Ellenbogen und strategische Spielchen gehen.


Wie kommt ihr auf Ideen für neue Themen?

Es gibt bei jedem Heft einen Abschnitt im Produktionsprozess, der “Inkubationsphase” heißt. Alle Teammitglieder agieren dabei als Inkubator*innen. Und dann überlegen wir – in Brainstormings und bewaffnet mit Post-Its – was wir selbst gerne über das Thema des geplanten Hefts lesen würden. Für die übergeordneten Themen der Ausgaben gibt es in der Zwischenzeit eine lange Liste an gesammelten Ideen, auf die wir immer wieder zurückgreifen. Für uns ist es wichtig, dass das Thema zum Team passt. Unsere aktuelle Ausgabe beleuchtet das Konzept „Pause”. Das hat sich zum Beispiel gut gefügt, weil in der Redaktion während der Hefterstellung auf unterschiedliche Arten recht lange Pause gemacht wurde und zwei unserer Redakteur*innen eine ganze Weile lang nicht dabei sein konnten. Wir haben uns das Thema theoretisch angeeignet und es gleichzeitig gelebt.


Und dann ist das Thema automatisch auch gesellschaftlich relevant?

Wie gesagt, im ersten Schritt geht es darum, dass das Thema zum Redaktionsteam passt. Im zweiten Schritt überlegen wir dann, wie es im aktuellen gesellschaftlichen Kontext funktioniert. Weil wir uns aber ohnehin täglich praktisch und theoretisch mit den Themen auseinandersetzen, können wir das meist ganz gut einschätzen.


Mit der 
Pause”-Ausgabe gebt ihr bereits euer viertes Heft raus. Habt ihr, ganz im Sinne von New Work, im Laufe der Zeit Ideen verworfen, die ihr zu Beginn noch für unumstößlich gehalten habt?

Ganz staubtrocken betrifft das eigentlich vor allem das Vertriebsmodell. Im ersten Heft haben wir ausführlich erklärt warum wir kein Abo anbieten. Aber schon beim zweiten Heft wurde uns klar, dass ein Abo langfristig doch Sinn macht. Sowas ist dann natürlich etwas schräg, aber es passiert. Schließlich befindet sich alles in einem Prozess und da können sich auch mal ein paar Variablen ändern. Es geht dann nur darum, die Veränderung anzugehen und sie anschließend zu erklären. So entwickeln sich Ideen.

 

Live what you preach”: Auf eurer Impressums-Seite im Magazin ist „Chefredakteur*in” durchgestrichen und durch selbstorganisierte Redaktion ersetzt worden. Welche anderen Prinzipien und Methoden nutzt ihr? Und wie funktioniert’s?

Bei TheDive und auch bei Neue Narrative steht eigentlich alles im Zeichen von Holacracy: Wir sind in Kreisen organisiert und haben Rollen mit zugehörigen Verantwortlichkeiten inne. Während der Arbeit am letzten Heft haben wir gemerkt, dass wir mit Blick auf die Erscheinungstermine der Ausgaben einen durchstrukturierten Prozess mit Deadlines brauchen. Deshalb haben wir eine Prozessstruktur entwickelt, die sich an Scrum anlehnt, es gibt also Prozess- und Produktverantwortliche. Dann unterteilen wir die Produktionsphase in sogenannte Sprints, so dass wir letztlich aus mehreren Baukästen kleine Tool-Elemente genommen und zusammengesetzt haben. Und das hat beim neuen Heft richtig erfolgreich funktioniert. Wir basteln also entlang der Learnings, die wir anhand der Heft-Themen und der Dinge, die wir sonst machen, aufnehmen.


Welche ist deine Lieblingsausgabe und kann man sie noch (nach)bestellen ;)?

Das Team sagt immer, die beste Ausgabe ist die aktuelle. Und das stimmt sicherlich auch. Aber ein Klassiker und auch für mich persönlich ein Eye-Opener ist und bleibt die zweite Ausgabe zum Thema Sinn. Und ja: Man kann sie noch nachbestellen

 

Über Neue Narrative und TheDive

NN_Gang

Neue Narrative ist ein Projekt von TheDive. Ganz im Sinne von New Work arbeitet die Redaktion selbstorganisiert, rollen- und spannungsbasiert.

TheDive ist ein Kollektiv von Menschen, die daran arbeiten, Zusammenarbeit, Unternehmen und Wirtschaft neu zu gestalten. Wir sind Gründer, Unternehmer, Berater, Coaches, Entwickler, Designer, Architekten, Journalisten, Forscher, Künstler, Kuratoren, Schriftsteller und vieles mehr. Wir produzieren Content, bauen neue Arbeitsräume, erfinden neue Organisationslogiken für Unternehmen und probieren sie an uns selbst aus. Wir entwickeln unternehmerische Ideen, begleiten andere Unternehmen bei deren Transformation und vernetzen Gleichgesinnte.

Madita Best
B2B Content Strategist
Madita begeistert sich für die grundlegenden Ideen von New Work: altgediente Konventionen der Arbeitswelt überdenken, unkonventionelle Denkweisen fördern, neue Methoden und Tools ausprobieren, Sinn und Unsinn neu definieren, Organisationen und Unternehmen neu denken. Im Austausch mit gleichgesinnten Andersdenkenden – um das Arbeiten von morgen heute besser zu verstehen.