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Personnelly Frauen ungleichberechtigt

Für viele Frauen sind stille und einkalkulierte Kompromisse ein wesentlicher Bestandteil der Karriereplanung. Es ist Zeit, das zu ändern.

Nach monatelanger Jobsuche auf einem gesättigten Arbeitsmarkt wurde Leah*, 27 Jahre alt, Kommunikationsexpertin, eine Einstiegsposition in einem PR-Unternehmen angeboten. Der befristete Vertrag beinhaltete keine Krankenversicherung und brachte das ständige Risiko der Arbeitslosigkeit mit sich. Auf der anderen Seite bot er Leah eine Chance, zu zeigen, dass ihre Erfahrung und Ausbildung sie in ihrem Berufsfeld zu einer wertvollen Mitarbeiterin machen würden. „Ich wollte mich beweisen. Darum habe ich zusätzliche Arbeit angenommen und mich nicht beschwert, wenn mir Aufgaben wie die Reinigung des Büros oder Erledigungen für andere Mitarbeiter aufgetragen wurden“, sagt sie. „Ich habe sogar einem Vorgesetzten ein Outfit für eine Hochzeit ausgesucht und dem Geschäftsführer außerhalb der Arbeitszeit dabei geholfen, seine Sachen zu packen und umzuziehen.“ Leah arbeitete endlos innerhalb – und außerhalb – des Aufgabenbereichs ihrer Position, um zu beweisen, dass sie eine Festanstellung im Unternehmen verdiente. Am Ende wurde ihr Vertrag nicht verlängert, sie wurde ohne Frist gekündigt.

Viele Frauen haben bereits Ähnliches erlebt wie Leah oder haben als nicht ganz unbeteiligte Dritte ähnliche Situationen beobachtet. Weibliche Angestellte verrichten oft ein Arbeitspensum, das ihre vertraglichen Pflichten übersteigt. Vielmals geschieht das aus dem Versuch heraus, professionelles Potenzial zu demonstrieren oder auch, um dem übertriebenen Standard, an dem sie gemessen werden, zu entsprechen. Es gibt jedoch zahlreiche Möglichkeiten, um die einschränkenden und unfairen Erwartungen, die dieses Muster hervorrufen, zu durchbrechen.

In einer Gesellschaft, in der Frauen schlechter bezahlt werden, seltener eingestellt werden und weltweit weniger als 25 Prozent der Führungspositionen einnehmen, müssen weibliche Arbeitskräfte stets mehr leisten, um im Beruf weiterzukommen – oder manchmal auch einfach, um ihre Arbeit nicht zu verlieren.

personnelly_women_graphics_-1 Quelle 1 und 2Infographic: Created by Cassondra Dolan 

 

Warum es Frauen am Arbeitsplatz so schwer haben 

Normalerweise sind die sozialen Strukturen an Arbeitsplätzen auf die Erfahrungen und Erwartungen von Männern ausgerichtet. Darum sich müssen Minderheiten – inklusive Frauen – an ihrem Arbeitsplatz vorsichtiger bewegen, um gleichbehandelt zu werden oder Wertschätzung für ihre Arbeit zu erhalten. Frauen haben die Last zu tragen, effiziente, fleißige Mitarbeiterinnen zu sein, die erpicht auf Erfolg sind, während sie gleichzeitig dem Image und den Verhaltensweisen entsprechen sollen, die oft von Frauen erwartet werden: höflich, nachgiebig und passiv.

Allerdings gehen außergewöhnliche Arbeit und Passivität selten Hand in Hand, besonders wenn es darum geht, in großen Teams zu arbeiten. Folglich müssen Frauen kreativ sein, damit ihre Meinung gehört, ihre Arbeit geschätzt und ihr Engagement für das Unternehmen anerkannt wird, ohne Grenzen zu überschreiten. Das Resultat? Überarbeitete, unterschätzte und unglückliche Mitarbeiterinnen.

Über Generationen haben Frauen versucht, sich in den verschiedenen Berufszweigen einen Namen zu machen, während sie gleichzeitig als Kraft angesehen wurden, die Familie und Haushalt zusammenhält. Diese unterschwellige Voreingenommenheit wirkt sich heute immer noch auf das Frauenbild aus. Weibliche Angestellte werden oft damit beauftragt, die „Hausarbeit“ im Büro oder Pflichten, die mit dem häuslichen Leben, Organisation, sozialer Planung und Gastfreundlichkeit verbunden sind, zu übernehmen. Es ist das Erbe von Vorurteilen wie diesen, dass Frauen in der Hierarchie am Arbeitsplatz eher unten angesiedelt werden, was zu einer ungleichen Arbeitsverteilung führt.Frau Ungleichberechtigung am Arbeitsplatz

Sich den subtilen Verhaltensmustern bewusst werden

Das Ungleichgewicht hört auch außerhalb des Büros nicht auf. Frauen, die mehr als die Hälfte des Haushaltseinkommens verdienen, machen mit einer 3,5 mal höheren Wahrscheinlichkeit mehr Hausarbeit als Männer. Unbezahlte Arbeit wie Hausarbeit und Kinderbetreuung sind genauso arbeitsaufwendig wie Aufgaben am Arbeitsplatz, wenn nicht sogar noch aufwendiger. Tatsächlich verbringen Frauen trotz ihrer arbeitsintensiven Aufgaben außerhalb des Büros im Jahr 39 Tage mehr am Arbeitsplatz als Männer. Was den Druck noch verstärkt, ist die Tatsache, dass weibliche Angestellte oft unter Beweis stellen müssen, dass sich ihr Familienleben nicht negativ auf ihre Karriere auswirkt, und das unabhängig davon, ob sie Mütter sind oder nicht. Um zu beweisen, dass Schwangerschaft oder Aufgaben wie das Abholen der Kinder von Schule oder Schwimmunterricht die Arbeit nicht beeinträchtigen, entscheiden sich viele Frauen dazu, im Büro noch mehr Arbeit zu übernehmen.

Oft sind die Verhaltensmuster, die dazu führen, dass Frauen mehr schultern, subtil und nicht so einfach zu identifizieren, wie man meint. Verhaltensweisen wie in Meetings über die Köpfe von Mitarbeiterinnen hinweg zu sprechen, oder auch Männer, die sich das Lob für die Arbeit von Frauen einheimsen oder sie verunglimpfen, weil sie härter arbeiten, sind einfach zu übersehen – besonders, wenn man nicht persönlich betroffen ist. Es sind allerdings nicht nur Männer, die diese Verhaltensweisen praktizieren. Sexismus ist in jedem verankert. Unfaire Standards sind manchmal der Kern von Kleinkriegen und Konkurrenz unter Frauen am Arbeitsplatz. Damit faire und gerechte Arbeitsplätze entstehen können, müssen sich alle ihrer eigenen verzerrten Wahrnehmungen bewusst sein und daran arbeiten, sie abzulegen.

Davon abgesehen finden in vielen Firmen bereits neue Arbeitsmodelle Anwendung, die eine Entwicklung in die richtige Richtung unterstützen. Neue Vorgehensweisen und Prozesse zu implementieren, die die Rechte von Angestellten verteidigen, ist der erste Schritt, um einen ausgewogenen Arbeitsplatz zu schaffen. Folgende Tipps sind inspiriert von den weltweit führenden Firmen in Sachen Gleichberechtigung.

 

Tipps, für mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz: 

  1. Achten Sie darauf, wie Angestellte miteinander umgehen. Schauen Sie genau hin, wer in Führungspositionen ist und wer Mitarbeiter einstellt. Stellen Sie sicher, dass diese Personen dafür geschult sind, Ungerechtigkeit, unfaires Verhalten und bestehende Probleme zu identifizieren. Beauftragen Sie Ihre Personalabteilung damit, sich regelmäßig mit Angestellten in Verbindung zu setzen und mit verschiedenen Teams in deren Arbeitsumfeld zu interagieren, um einen Gesamteindruck zu bekommen.
  2. Ermutigen Sie Angestellte dazu, ein unausgewogenes Arbeitspensum anzuprangern, wenn sie es sehen, angefangen beim Management. Das trägt dazu bei, dass das (An-)Erkennen von Problemen am Arbeitsplatz etwas ist, womit jeder sich wohlfühlen kann.
  3. Machen Sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben zur Priorität. Stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen Ihren Angestellten die Unterstützung und die Mittel bereitstellt, um einen gesunden Lebensstil, das Familienleben und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Homeoffice anzubieten.
  4. Setzen Sie dieselben Standards für alle in Ihrem Team. Das ist der beste Weg, um Menschen, die Minderheiten angehören, zu unterstützen und Stigmata zu durchbrechen, die der Gleichheit am Arbeitsplatz im Weg stehen.

Vor allem müssen Sie Ihren Angestellten Ihre Initiative zum Wandel klar vor Augen führen. Involvieren Sie Ihre Mitarbeiter, reden Sie über den Wandelprozess, in dem Ihr Unternehmen sich befindet und ermutigen Sie andere, mitzumachen. Arbeiten Sie kollektiv an einem ausgeglichenen Arbeitsumfeld, indem Sie Mitarbeiterinnen den Raum und die Möglichkeiten geben, die Arbeit zu verrichten, für die sie angestellt wurden – und zwar in einem Arbeitsumfeld, das sie dabei unterstützt.

 

*Name von der Redaktion geändert

Cassondra Dolan
Main interests: Equality & diversity, company culture, women in the workplace
Living and working abroad has given Cassondra a unique lens to explore how we navigate international workplaces. In her work with Babbel she continues to expand her understanding and appreciation of best practices for diversity and equality at work, which she shares through her writing for personnel.ly.