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Photo by Anthony Mapp on Unsplash

Ein kurzes Schläfchen im Büro ist gesund und steigert die Produktivität – ist aber immer noch verpönt. Warum sich das ändern sollte.

Nach dem Mittagessen folgt das erste Leistungstief des Tages: Die Konzentration nimmt ab und Flüchtigkeitsfehler schleichen sich ein. Keine Energie mehr, Augen auf Halbmast. Wie schön wäre es, nun den Kopf auf den Schreibtisch sinken zu lassen, um kurz zu schlummern. 
Was in Ländern wie Japan oder Spanien gang und gäbe ist, traut sich hierzulande kaum jemand. Schlafen am Arbeitsplatz ist verpönt. Wer dösen möchte, erntet dafür oft nicht mehr als müde Blicke. Der Grund: Wer schläft ist – vermeintlich – unproduktiv. Und das ist Gift für's Unternehmen. 
Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht. Wer während eines Arbeitstages eine Pause braucht, ist nicht automatisch ein fauler Taugenichts. Im Gegenteil: Wer ruht, ist danach konzentrierter, produktiver und seltener krank. Und das ist ein Geschenk für's Unternehmen.

 

Nickerchen steigern die Leistung im Büro

schlafen 2Ein kurzes Schläfchen kann die Produktivität der Mitarbeitenden um bis zu 40 Prozent steigern und fördert ihre Kreativität. Das fand die Professorin und Buchautorin Sara Medick mit ihrem kalifornischen Forscherteam heraus. (Übrigens: Ihr Buch trägt den Titel „Take a Nap! Change Your Life“).

Für ihre Untersuchung lud das Team der University of California, Riverside, 81 Probanden ein und unterteilte sie in zwei Gruppen: Beide Teams mussten sowohl am Morgen als auch am Nachmittag verschiedene Rätsel und Quizfragen lösen. Dazwischen war eine Pause. In dieser Zeit sah sich die eine Gruppe einen Film an, und die andere legte sich aufs Ohr. Im Anschluss gab es neue Aufgaben zu lösen und siehe da: Die Mittagsschläfer schnitten nicht nur besser ab als die Wachgebliebenen, sondern sie toppten zum Teil sogar ihre eigenen Leistungen vom Morgen.

Dieses Experiment ist nur eines von vielen, das zeigt, dass kurze Ruhephasen die Leistung steigern und neue Power geben. Unternehmen wie Google oder Facebook ermutigen ihre Mitarbeitenden inzwischen sogar dazu einen Mittagschlaf zu halten. Passenderweise wird das altbekannte Nickerchen daher natürlich cool benannt: „Powernap“ – oder eben einfach ein Schläfchen, das die Kraft zurückbringt.

 

Raum für Ruhe – eine sinnvolle Investion

Unternehmen täten also gut daran, es ihren Mitarbeitenden möglichst leicht zu machen, ihre Akkus wieder aufzuladen. Am besten funktioniert das mit einem Raum für Ruhe. Einem Platz, um sich zu erholen. Einem Ort, an dem Abschalten erlaubt ist. Ausgeschlafener Vorreiter in diesem Bereich ist Babbel. Das Unternehmen hat das Potenzial des Powernaps erkannt und Ruheräume einrichten lassen. Und es braucht auch gar nicht viel, um den Mitarbeitenden die Möglichkeit für ein Schläfchen zwischendurch zu bieten: einen ruhigen, dunklen Raum mit Liegen, am besten mit Decken und Kissen. In der Luxusvariante werden beruhigende Tees angeboten und auf Wunsch entspannende Klänge abgespielt. Ist dafür nicht genug Platz oder Budget vorhanden, geht es auch einfacher: Die Meetingräume, die zur Mittagszeit ohnehin meist ungenutzt sind, können zur Verfügung gestellt werden.

Denn wichtig für die Schlafrevolution am Arbeitsplatz ist, gerade am Anfang, gar nicht das „Wie“, sondern das „Warum“: Proaktive Aufklärung und ein offener Umgang mit dem Thema Schlaf helfen, die Mitarbeitenden dafür zu sensibilisieren. So kann das Unternehmen eine Idee vermitteln, wie mit einem Leistungstief sinnvoll umgegangen werden kann, statt das Problem totzuschweigen oder zu ignorieren. Und den Arbeitnehmenden gleichzeitig die anfängliche Scheu nehmen: Denn Abschalten zwischen Aktenordnern, Mailpostfach und Flurfunk ist gar nicht so leicht. Sowohl ein stressiger Arbeitsalltag, als auch innere Barrieren verhindern das Loslassen. Hinzu kommt die Angst als Faulpelz zu gelten.

Ein eindeutiges Zeichen der Führungsetage, ein klares Ja zu angemessenen Ruhephasen, schafft Abhilfe und zeugt von einem wachen Blick für müde Mitarbeitende. Zum Wohle aller.

 schlafen 3 Photo by Adi Goldstein on Unsplash

Powernap – so geht’s richtig

Im Zuge der Aufklärung zum Thema Erholung und Regeneration sollte auch vermittelt werden, wie ein Powernap die versprochene Power auch tatsächlich zurückbringt. Denn Schläfchen ist nicht gleich Schläfchen.

Beim kurzen Schlummer gibt es ein paar Regeln zu beachten, sonst pennt man schnell übers Ziel hinaus: Es ist sinnvoll, sich einen Wecker zu stellen, denn Nickerchen sollten nicht länger als 20 bis 30 Minuten dauern. Während dieser Zeit bleiben die Schlafenden in der sogenannten „Leichtschlafphase“ und gleiten nicht in den Tiefschlaf ab. Das ist wichtig, um zu verhindern, dass sie sich im Anschluss nicht wie gerädert fühlen. Wer länger als eine halbe Stunde schläft, braucht danach bis zu einer Stunde, um wieder auf der Höhe zu sein – das wäre für die Arbeit kontraproduktiv.

Ist das Schläfchen jedoch kurz genug, sind Arbeitnehmende anschließend sofort wacher, arbeiten konzentrierter und schneller. Und dies wiegt den halbstündigen Arbeitsausfall mit Sicherheit auf. Auch interessant ist, dass nicht einmal immer geschlafen werden muss: Alleine das Schließen der Augen, die kurze Auszeit von E-Mails, Telefonaten, Meetings und Kollegen führt zu einem ähnlichen Effekt.

 

Wenn Firmen Gesundheit belohnen

Schlafen

Aber nicht nur am Schreibtisch läuft es dank Ruhepausen rund und vor allem produktiv. Auch die Gesundheit der Arbeitnehmenden verbessert sich auf lange Sicht: Stress wird abgebaut und die Stimmung verbessert sich, das Risiko für Herzerkrankungen oder Diabetes zu bekommen wird nachweislich gesenkt. Und das alles allein dank kurzen Auszeiten – was uns zu den beeindruckenden Folgen erholsamer Nächte bringt.

Wer ausgeschlafen ist, ist gesünder, intelligenter, belastbarer. Daher rückt zunehmen auch ein guter Nachtschlaf in den Fokus von Unternehmen. Eine große amerikanische Krankenversicherung ging sogar so weit, dass sie ein entsprechendes Bonusprogramm einführte: Wenn die Mitarbeiter nachweisen konnten, dass sie die vergangenen 20 Nächte jeweils mindestens sieben Stunden geschlafen hatten, klingelte die Kasse und sie erhielten Boni.

ternehmen selbst dann noch Plus machte, wenn die Schlafprämien in voller Höhe ausgezahlt wurden. Denn seine ausgeruhten Mitarbeitenden waren deutlich produktiver, brachten häufiger innovative Ideen ein und trafen insgesamt auch nachweislich bessere Entscheidungen. Eine echte Win-win-Situation für alle (ausgeschlafenen) Beteiligten.Durch diese kleine Finanzspritze wollte CEO Mark Bertolini erreichen, dass seine Angestellten besser auf sich achten, früher zu Bett gehen und im Anschluss ausgeruht und wach in der Arbeit erscheinen. Und dieses Ziel war ihm offensichtlich eine ordentliche Stange Geld wert. Was sich, laut eigener Aussage, gelohnt hat: Bertolini betont in zahlreichen Interviews, dass das Un

 

Schlafen im Büro erwünscht

Fest steht: Erholsamer Nachtschlaf und Ruhepausen sind gut und essenziell für den Menschen. Das sollte eigentlich Anreiz genug sein, sich sein verdientes Nickerchen zu gönnen. Verabschieden wir uns daher – egal ob privat oder beruflich – vom Klischee der faulen, trägen Schlafmütze. Denn schlafen am Arbeitsplatz sollte ab heute nicht mehr nur erlaubt, sondern sogar erwünscht sein: Für mehr Leistung, gute Laune im Team und beste Gesundheit. Auch ohne Schlaf-Boni. 

 

Katharina Kunzmann
Journalisitin, Bloggerin und Buchautorin

Katharina hat sich das Schlafen zum Beruf gemacht. Nach einem Studium der Soziologie und Philosophie arbeitet sie als Journalistin und freie Autorin unter anderem bei dem Online-Magazin ZEITjUNG. Bekannt ist die Schlafexpertin vor allem durch ihren Blog http://diewillnurschlafen.de/ und ihr Buch Ab ins Bett.

Foto: Sophie Wanninger