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new work

Erstmals diskutiert wurde das Konzept von New Work („neue Arbeit“) in den frühen 1980er Jahren. Der amerikanisch-österreichische Philosoph Frithjof Bergmann entwickelte es unter dem Eindruck des Niedergangs der US-amerikanischen Autoindustrie und anderer klassischer Industrien. Er versuchte damit, die Anforderungen an Arbeit sowie an die Kultur von Unternehmen unter den Bedingungen des Übergangs von der Industrie- zur Wissensgesellschaft zu erfassen. Heute ist New Work in vielen Unternehmen bereits gelebte Praxis. Im Kern geht es dabei um die Voraussetzungen, die nötig sind, damit Menschen ihre Arbeit nicht nur als Notwendigkeit empfinden, sondern sie als sinnstiftend erleben.

 

Was ist New Work?

Seine ersten philosophischen Arbeiten veröffentlichte Frithjof Bergmann bereits in den 1960er Jahren. Ein Jahrzehnt später begann er der Frage nachzugehen, was Menschen brauchen, um sich frei zu fühlen. Individuelle Freiheit lag für ihn nicht darin, äußere Begrenzungen zu überwinden, die beispielsweise aus den Bildungssystemen, den Familien und gesellschaftlichen Anforderungen resultieren. Aus seiner Perspektive kann Freiheit nur aus Selbstbestimmung und persönlicher Identifikation heraus entstehen. Diese These übertrug Bergman auch auf die Arbeitswelt. Im Jahr 1984 gründete er schließlich sein erstes New Work Center. Heute agieren diese Zentren im Rahmen eines globalen Netzwerks. Für Bergmann selbst wurden New Work sowie New Culture zu einem Lebensthema, zu dem er bis heute arbeitet und publiziert.

Ausgangspunkt des New-Work-Konzepts war Bergmanns These, dass das alte Jobsystem am Ende sei. Die Arbeit in den Strukturen der klassischen Industriegesellschaft machte Menschen in hohem Maße unfrei, zudem erwiesen sich die traditionellen Produktions- und Arbeitsformen schon in den 1980er Jahren als kaum noch zukunftsfähig. Automatisierung und Digitalisierung ermöglichen es, diese Strukturen unter dem Aspekt der Sinnstiftung zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund stellte Bergmann einige einfache, für die damalige Zeit jedoch höchst provokante Thesen auf: 

  1. New Work ist ein individueller und sozialer Aufstand, der eng mit der Nutzung smarter Technologien verbunden ist.
  2. Dieses Konzept ist auf Selbstbestimmung, Sinn und Nachhaltigkeit ausgerichtet.
  3. New Work ist ein längerer Prozess, der auf der Grundlage eines kulturellen Wandels vor sich geht. Menschen sollen ihre Persönlichkeit in ihre Arbeit einbringen und sich durch Arbeit selbst verwirklichen können.new work2

Neue Arbeit, neue Werte - warum New Work heute relevanter ist als je zuvor

Heute ist New Work ein etablierter Begriff, um neue Arbeitsformen und neue Werte in der Arbeitswelt zu erfassen und zu diskutieren. Im Fokus stehen hierbei – durchaus in der Tradition von Bergmann – Werte wie Selbstständigkeit, Teilhabe an der Gemeinschaft und individuelle Handlungsfreiheit. Generell geht es dabei um die Gestaltung von Arbeit in einer zunehmend digitalisierten Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft, zu der die Arbeitsmodelle der Industriegesellschaft nicht mehr passen.

Grund für die heutige Relevanz von New Work ist, dass wir immer mehr spüren, wie die Digitalisierung in unseren Arbeitsalltag eingreift. So ist die traditionelle Lohnarbeit ein Auslaufmodell, dass durch neue Technologien – Künstliche Intelligenz, Machine Learning und den damit verbundenen Trend zur Industrie 4.0 – ersetzt wird. Hierdurch werden auch neue Arbeitskonzepte nötig.

Bereits heute sind traditionelle Arbeitsformen mit ihrer starren örtlichen, zeitlichen und inhaltlichen Fixierung nicht mehr wirklich zeitgemäß. Neue „schöpferische“ Werte wie Selbstständigkeit, Handlungsfreiheit und individuelle Kreativität am Arbeitsplatz sind dabei, die alten Arbeitswerte zu ersetzen. Die meisten Routinetätigkeiten und auch viele komplexe Arbeitsprozesse werden in absehbarer Zukunft von Maschinen übernommen werden. Die kreative Potenzialentfaltung des Einzelnen wird hierdurch zu einer zentralen Anforderung an Arbeit und für die Unternehmen zu einer unmittelbaren Produktivkraft.

 

Eine Neuorganisation von Arbeit wird notwendig

 Um ihren Mitarbeitenden Persönlichkeitsentwicklung und Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, müssen Unternehmen neue Strukturen schaffen. Hierzu gehören:

  • Der Abbau strenger Hierarchien.
  • Das Schaffen von persönlichen Freiräumen.
  • Das Einbeziehen aller Mitarbeitenden in die Gestaltung ihrer Arbeit.
  • Neue Organisationsformen von Arbeit. Statt in starr organisierten Abteilungen erfolgt New Work vorwiegend in flexibel organisierbaren Projekten.
  • Grundlegende Veränderungen des Managements, die es ermöglichen, alle Mitarbeitenden an Entscheidungen zu beteiligen. Ein mögliches Konzept hierfür ist „Holacracy“. Es wurde im IT-Umfeld entwickelt und ermöglicht, dass Unternehmen sich eine „Verfassung“ geben, die „Governance“ und operative Tätigkeiten in integrierten Prozessen zusammenfasst. Realisiert werden sie innerhalb eines (digitalisierten) Netzwerks, dessen Mitglieder letztlich alle Mitarbeitenden eines Unternehmens auf transparente Art und Weise in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezieht.
  • Nutzung neuer Organisationstools wie Scrum, die Projektarbeit und agiles Arbeiten unterstützen.
  • Die Einführung neuer örtlich und zeitlich flexibler Arbeitsformen wie Homeoffice und Mobile Work.

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Das Unternehmen als Identitätsstifter

Damit New Work praktizierbar ist, müssen Unternehmen eine neue Kultur entwickeln. Traditionelle Betriebe agieren gegenüber ihren Mitarbeitenden lediglich als Arbeitgeber. Bei der Organisation von Arbeit spielen Hierarchien und Weisungsrechte eine zentrale Rolle. Ein Unternehmen, das traditionelle Arbeitsformen durch New Work ersetzen will, muss sich als Identitätsstifter verstehen, der in der Lage ist, Mitarbeitende auch emotional zu binden und ein Arbeitsumfeld zu erzeugen, das Eigenständigkeit und intrinsische Motivation ermöglicht. Voraussetzungen dafür sind neben strukturellen Veränderungen eine ausgeprägte Corporate Social Responsibility und Vertrauen in die eigenen Mitarbeitenden. Ebenso wichtig sind aktives Employer Branding und gutes Storytelling, damit die eigenen Angebote intern und extern tatsächlich und in positiver Weise wahrgenommen werden.

 

Die Relevanz von New Work – heute und in Zukunft

Experten wie Inga Höltmann prognostizieren in New Work die Zukunft unserer Arbeit. Generell gilt, dass die Tools für New Work in den Unternehmen bereits zur Verfügung stehen. Angewendet werden sie jedoch nur dann, wenn Organisationen sich auch dem dafür nötigen kulturellen Wandel stellen. Der New-Work-Award der Business-Plattform zeigt, was in dieser Hinsicht praktisch möglich ist. So ermöglicht Tandemploy allen Mitarbeitenden eine 4-Tage-Woche und völlig flexible Arbeitszeiten.

Allerdings muss der Wille zur Umsetzung von New Work nicht nur bei der Unternehmensleitung, sondern bei allen Beteiligten vorhanden sein. Junge Mitarbeitende der Generationen Y und Z werden mehrheitlich keine Schwierigkeiten haben, New Work zu praktizieren. Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung im Job gehören zu ihren zentralen Arbeitswerten. Jedoch wird ein Teil der Mitarbeitenden bei der Realisierung von New Work auch Hilfestellungen – beispielsweise im Hinblick auf Selbstorganisation und den Umgang mit flexibler Arbeit – brauchen.

In einem weiteren Sinne ist im Hinblick auf die Neugestaltung von Arbeit auch die Politik gefragt. Zu ihren Aufgaben gehört, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für New Work zu fördern. Relevante Themen sind hier beispielsweise Diversity, die Aufhebung des Gender Pay Gaps oder Flexibilisierungen des Arbeitszeitgesetzes. Im politischen Tagesgeschäft spielen sie bisher eher am Rande eine Rolle.

 

David Anderson
B2B Lifecycle Manager
David begeistert sich für alles rund um New Work. Sein Fokus liegt allerdings auf der Unternehmenskultur. Für ihn gilt das Motto: Ist das Team nicht zufrieden, sind die Kunden es auch nicht.