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new work definition

Meinung. New Work ist mehr als nur ein Buzzword, es ist Aushängeschild, eine Unternehmenskultur – aber vor allem hinterlässt es viele fragende Gesichter. 

Im Zusammenhang mit New Work fallen oftmals Schlagworte wie Arbeit der Zukunft, Hierarchielosigkeit und der berüchtigte Kicker. Im Prinzip sind das alles Begriffe, die eine vage Vorstellung einer idealtypischen Arbeitswelt prophezeien. Mit einher gehen deshalb Anleitungen, die Unternehmen auf dem Weg zu dieser so vielversprechenden Welt anwenden sollen. Im Umkehrschluss: Wer kein Homeoffice anbietet und Holacracy noch nie in Erwägung gezogen hat, agiert weder agil noch zeitgemäß. Doch bei dieser Flut an Methoden sind Unternehmen und Führungskräfte oft überfordert, sie wissen gar nicht genau, was New Work überhaupt ist und verlieren #OnTheWayToNewWork den Überblick. Und das ist bei den bestehenden Definitionen auch verständlich: New Work sei die „Gesamtheit der modernen und flexiblen Formen der [Büro]arbeit bzw. der Arbeitsorganisation (z. B. Telearbeit)“, ergibt die Googlesuche. Oder ein weiterer Versuch: „New Work beschreibt (...) die Arbeitswelt der Zukunft.

Könnte man anhand einer dieser Beschreibungen erklären, was New Work ist? Nein.

An Bemühungen wie diesen merke ich aber immer wieder: Eine konkrete und allgemeingültige Definition von New Work gibt es nicht. Und das ist auch gut so.

 

1. New Work als Konzept

New Work ist in erster Linie ein Konzept, das bestehende Arbeitsprozesse hinterfragt und umwälzen will. New Work beschreibt den Prozess des Ausprobierens – es kann also weder eine Definition noch allgemeingültige Maßnahmen geben. Wenn wir uns dessen bewusst werden, müssen wir uns zunächst mit uns selbst beschäftigen. In dieser Selbstreflexion sollten wir uns klarmachen, was im Team gut funktioniert, und dann Methoden herausfiltern, die an bestehenden Problemen ansetzen.

 

2. New Work kann nicht nachgemacht werden

Das impliziert auch, dass das bloße Nachmachen der sogenannten Vorreiter in Sachen New Work nicht zum Ziel führt. Wenn wir nach dem Vorbild von Google eine Barista einstellen, sieht das auf der Unternehmenswebseite natürlich vielsprechend aus. Doch guter Kaffee heißt nicht, dass sich die Mitarbeitenden automatisch wohler fühlen. Vielmehr sollen durch das Hinterfragen von Prozessen bestehende Strukturen grundlegend verändert werden. Oder wie Frithjof Bergmann, der Urvater von New Work, das heutige Verständnis kritisiert: „Für viele ist New Work etwas, was Arbeit reizvoller macht, quasi Lohnarbeit im Minirock.“

 

3. New Work oder die Suche nach dem Sinn

Warum New Work zu einer so hochkomplizierten Angelegenheit geworden ist, ist vor allem der überwältigenden Erwartungshaltung geschuldet, die hinter dem Begriff steckt. Diese geht von Mitarbeitenden aus, die sich auf der Suche nach dem Sinn der eigenen Tätigkeit befinden, oder noch größer formuliert: dem Sinn des eigenen Lebens. Nicht umsonst gehen mit dem Trend New Work auch in anderen Lebensbereichen tausende Ratgeber einher: Die Karriere wird durch Achtsamkeit ersetzt, Yoga nimmt religiöse Züge an und der Beruf des „Lifecoachs“ boomt.

Hinter all diesen Trends versteckt sich die Postmoderne, ein soziologisches Muster, das den Zustand unserer Gesellschaft erklären soll. Im Prozess der Moderne haben unsere Eltern versucht, sich von Institutionen zu befreien. Die Kirche fiel weg, aber auch Vereinsmitgliedschaften gehören zunehmend der Vergangenheit an. In der Postmoderne finden wir uns in einem Zustand vollkommener Befreiung von Strukturen wieder. Allerdings bedeutet der Verlust dieser Strukturen auch eine große Orientierungslosigkeit. Wir müssen uns permanent neu definieren, uns ständig hinterfragen und damit auch unsere Arbeit. Unsere Identität sei eine Narration und müsse ständig neu konstruiert werden, formuliert es der Psychologe Wolfgang Kraus. Diese Freiheit, die wir in unserem ganzen Leben verspüren, soll es auch bei der Arbeit geben. Das ist ohne Orientierungsrahmen natürlich anstrengend – auch für die Unternehmen. Denn im Einklang mit dem Begriff New Work müssen sich nun auch die Unternehmen mit der Sinnsuche der Mitarbeitenden beschäftigen und so auch ihren eigenen Sinn rechtfertigen.

 

New Work ist also mehr als eine Definition, es ist vielmehr die Antwort auf gesellschaftliche Fragen unserer Zeit. Das erklärt auch, warum das Konzept erst jetzt, und nicht schon in den 80ern bekannt wurde. Es ist der Prozess des Neudefinierens von Strukturen und dazu gehört das Hinterfragen und Ausprobieren. New Work ist somit das Lebensgefühl einer Organisation.

Annika Keilen
Editor; Interessen: Kultur & Diversität in Organisationen
Aus einer wirtschaftlichen Perspektive ist es leicht, die Welt in Zahlen zu betrachten. Doch wo bleibt in dieser Welt der Mensch? Für Annika bilden die Mitarbeitenden das Herzstück eines Unternehmens. Bei Babbel sieht sie ihre Vorstellung umgesetzt, sodass sie von dieser Unternehmenskultur aus dem Büro hinaus berichtet.