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WOL Die New-Work-Kolumne von Inga Höltmann

 

New Work ist gerade ziemlich im Trend und ich finde das gut. Denn das eröffnet viele Räume, in denen man über wichtige Themen in der Arbeitswelt diskutieren kann und man stößt auf offene Ohren. Mir gefällt das – meine Arbeit ist dadurch leichter geworden. Auch im Bereich der Neuen Arbeit gibt es natürlich Trends. Gerade hoch im Kurs: Einen WOL-Circle zu absolvieren. 

  

Was ist WOL?

WOL steht für „Working Out Loud“ und ist ein zwölfwöchiges Programm, bei dem man jede Woche in einer kleinen Gruppe etwa eine Stunde miteinander arbeitet – entweder virtuell per Call oder auch vor Ort. Die Teilnehmer müssen nicht unbedingt Kollegen sein, sie können aus ganz unterschiedlichen Kontexten kommen. Dazu gibt es Handreichungen, die Themen und Fragestellungen vorgeben, die man miteinander bearbeitet. Das Ziel: Vernetzter arbeiten. Das „loud“ in „Working Out Loud“ rührt daher, dass es darum geht, die eigene Arbeit sichtbar zu machen und auch die Arbeit der anderen wahrzunehmen.

Auch ich bin im vergangenen Jahr in einen solchen WOL-Circle geraten und habe die zwölf Lektionen mit meinen Mitstreitern und Mitstreiterinnen über einen Zeitraum von vier Monaten bearbeitet. Die Idee war auf einer Konferenz entstanden, die ich im Sommer besucht hatte. Fast jede Woche telefonierten wir dafür zusammen, tauschten uns aus und besprachen die Themen, die uns die Leitfäden vorgaben. WOL wird auch gerade auch in vielen Unternehmen verankert, Bosch ist ein Beispiel für einen großen Konzern, in dem intensiv „gewol’t“ wird.

 

WOL ist ein Netzwerk

WOL’en kann man innerhalb der Unternehmen, genauso spannend ist aber auch die WOL-Vernetzung über Organisationsgrenzen hinweg. In meinem WOL-Circle war neben mir eine Freiberuflerin, ein Festangestellter und eine Vorständin eines Hamburger Unternehmens – bunt gemischt also und jede/r von uns brachte den eigenen, individuellen Blickwinkel ein. Ich habe die Monate als sehr gewinnbringend empfunden, vor allem wegen der drei wunderbaren Menschen, mit denen ich mich jede Woche austauschen konnte.

 

„Und so vermittelt die scheinbare Banalität von WOL ein grundlegendes Prinzip der neuen Arbeitswelt: Vernetzte Kommunikation.“ Inga Höltmann

 

Überraschend war für mich vor allem eines: Wie banal WOL auf den ersten Blick daherkommt. In der ersten Session wird man erst einmal eingeladen, sich einen Account bei einem Sozialen Netzwerk zu registrieren, wenn man noch keinen hat. Dann hilft WOL, sich an grundlegende Werte in Kommunikation, Austausch und Zusammenarbeit anzunähern. Und vor allem betont WOL immer wieder das Gegenüber und die Gemeinschaft, und es geht darum: Was kann ich beitragen? Wie kann ich andere unterstützen und sie sichtbar machen?

 

WOL – nur scheinbar banal

Und so vermittelt die scheinbare Banalität von WOL ein grundlegendes Prinzip der neuen Arbeitswelt: Vernetzte Kommunikation. Wenn wir wirklich vernetzt arbeiten wollen, müssen wir in den Unternehmen erst einmal lernen, vernetzt zu kommunizieren. Und vernetzte Kommunikation heißt, den anderen in den Blick zu nehmen: Was habe ich, was er brauchen kann? Was kann ich ihm anbieten, das sinnvoll und wertvoll ist? In Unternehmen heißt das, sich im Prozess darüber Gedanken zu machen, welche Informationen der Kollege oder die Kollegin brauchen könnte, um seine/ ihre Arbeit gut erledigen zu können, noch bevor er oder sie danach fragt. Bei WOL kann das auch einfach die Leseempfehlung sein, die man an eine Person gibt oder der Kontakt zwischen zwei Menschen, den man proaktiv herstellt.

Dabei ist WOL wunderbar unaufgeregt. Während es vordergründig vor allem um Kommunikation geht, geht es doch eigentlich um so viel mehr. WOL regt einen Nachdenkprozess an: Wer will ich sein und wie will ich wahrgenommen werden? Und vor allem ermuntert WOL, sich darüber klar zu werden, was es ist, was man geben kann. Es ist Teil des Prozesses über die drei Monate hinweg, seine Themen zu entwickeln und sie der Welt und seinem Netzwerk anzubieten.

 

„WOL bietet eine Anleitung an, wie Kommunikation in Unternehmen von der Basis aus 'gehackt' werden kann“ Inga Höltmann

Und damit geht es bei WOL vor allem um Digital Leadership. Es wird an keiner Stelle so genannt, aber das ist, wo WOL Schritt für Schritt hinführt: WOL hilft, seine Stimme zu entwickeln, hilft, die eigenen Themen zu entdecken, und seinen Platz in einem Kommunikationsnetzwerk zu finden. WOL bietet eine Anleitung an, wie Kommunikation in Unternehmen von der Basis aus „gehackt“ werden kann, wie man Kommunikation und Austausch in Unternehmen fördern kann – all das sind Grundvoraussetzungen für den Wandel in Organisationen. Und nicht zuletzt hilft WOL, ein Selbst-Bewusstsein zu entwickeln – für viele WOL’ies eine echte Offenbarung, plötzlich das Gefühl zu haben, gehört und gesehen zu werden.

Und so ist es kein Wunder, dass ausgerechnet WOL gerade so im Trend liegt. Es geht dabei weniger um die Methode an sich, sondern viel mehr um das Umfeld in dem sie stattfindet und ihre Wirkung entfaltet: In einer Arbeitswelt, die immer komplexer wird und in der man zunehmend nur bestehen kann, wenn man seine eigene Komplexität erhöht – zum Beispiel, indem man hinausgeht in die Welt und anderen Menschen zuzuhören beginnt.

Inga Höltmann
Expertin für die Themen Kulturwandel in Unternehmen, New Work und Digital Leadership
Inga Höltmann ist Expertin für die Themen Kulturwandel in Unternehmen, New Work und Digital Leadership. Sie ist Gründerin der Digital-Leadership-Akademie “Accelerate Academy”, einer Plattform für Neues Arbeiten und neues Lernen, und ausgebildete Wirtschaftsjournalistin, zu ihren Auftraggebern gehören der Berliner Tagesspiegel und der Deutschlandfunk Kultur. Bekannt ist sie auch für ihren erfolgreichen Newsletter über Kulturwandel in Unternehmen, neue Arbeit und moderne Führung und ihren beiden Podcasts zur Zukunft der Arbeit. Twitter: @ihoelt
Foto: Axel Kuhlmann