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Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom e.V., im Gespräch über die Arbeitnehmerschaft der Zukunft.

Die Unternehmen erkennen, dass das Wissen aus Schule, Ausbildung und Hochschule für die Dauer eines Berufslebens nicht genügt.  Bernhard Rohleder 

Personnel.ly: Herr Dr. Rohleder, Sie sind Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom, führen 100 Mitarbeitende und haben festgestellt: Das Bildungsangebot, das sich momentan auf dem Markt findet, ist zu wenig individuell. Was meinen Sie konkret?

Bernhard Rohleder: Fast alle Bildungsangebote kommen von der Stange, individuelle Angebote sind für die meisten unbezahlbar. Doch der eine von uns kann sich Zahlen, der andere Wörter besser merken. In der Mathematik und speziell im Spracherwerb gibt es aber Möglichkeiten, um über adaptive learning individuelle Lernangebote zu machen. Solche Software bietet Nutzern mit unterschiedlichen Voraussetzungen das passende Lernangebot. Das System ist also hochgradig individualisiert und stellt eine Art künstliche Intelligenz (kurz KI) dar.


Künstliche Intelligenz befindet sich noch im Anfangsstadium. Funktionieren die adaptiven Systeme technisch?

Ja, denn die Systeme fangen schon an, zu funktionieren! Das zeigt sich zum Beispiel am Vokabeltrainer, der Wörter entsprechend des Lernfortschritts einspielt. Aber das ist noch relativ primitiv. In anderen Bereichen, wie beispielsweise der Mathematik, geht man viel weiter. Hier in Berlin gibt es zum Beispiel das Unternehmen Bettermarks, das eine hochgradig individualisierte Mathematiklernapp anbietet. Und beim Thema Sprachen sehe ich diese Individualisierung definitiv auch kommen.


Apps bedeuten auch, dass der Nutzer sich konstant weiterbilden kann. Leider gibt es noch zu wenig Apps im Bereich der Mitarbeiterfortbildungen. Gibt es Möglichkeiten, kontinuierliches Lernen schon jetzt im Unternehmen anzuwenden?

Die Unternehmen erkennen, dass das Wissen aus Schule, Ausbildung und Hochschule für die Dauer eines Berufslebens nicht genügt. Es muss auf die aktuellen Bedürfnisse ausgerichtet und an den sich extrem schnell verändernden Stand der Technik angepasst werden. Ein Elektriker hat zum Beispiel früher für Strom und Licht gesorgt, in Zukunft muss er aber ein Smarthome installieren. Es gibt einen riesigen Bedarf an solch spezifischem Wissen, aber kaum jemanden, der es anbietet. Dafür brauchen wir zunächst einmal ganz andere Ansätze, als die, die wir bislang haben. Der Ansatz, alle paar Jahre fünf Tage Bildungsurlaub zu nehmen und das wars, ist völlig überholt. Viel wichtiger wäre, Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich täglich oder zumindest wöchentlich zum Beispiel über Webinare weiterzubilden und genau jene Kompetenzen zu erwerben, die sie demnächst brauchen.


Und beim Bitkom können die Mitarbeitenden eine halbe Stunde täglich lernen?

Die meisten bei uns lernen permanent, da wir uns ständig mit neuen digitalen Themen auseinandersetzen, das ist unser Job. Wir bieten aber auch immer wieder kurze, hochkonzentrierte Trainings an, z.B. für Auftritte vor der Kamera. Und dann gibt es noch die Bitkom Akademie. Sie bietet Schulungen an, die zu sogenannten Mikrozertifikaten oder Nanodegrees führen. So bilden wir zum Beispiel Datenschutzspezialisten aus, Data Scientists oder KI-Manager. Das meiste davon im Blended Learning, bei dem ein Teil vor Ort und der Großteil online läuft. Reine Präsenzveranstaltungen gibt es bei uns kaum noch.


Und Sozialkompetenzen, wie vermittelt die Bitkom die?

Sozialkompetenzen vermitteln am besten Elternhaus und Schule oder Vereine. Was dort verpasst wird, kann man später kaum nachholen. Aber natürlich gibt es die sogenannten Softskills: Wie kommuniziere ich zielgerichtet? Wie gehe ich auf Gesprächspartner ein? Wie lese ich Gesten? Wie organisiere ich mich? Wie halte ich meine Termine und Zusagen ein? Bis hin zu Tischsitten anderer Länder. So etwas kann man und muss man im Bedarfsfall schulen.


Und die Softskills vermittelt Bitkom online?

Die Mischung muss stimmen. Man kann nicht alles online machen, aber man kann extrem viel online machen. Softskills lassen sich beispielsweise durch Tutorials vermitteln. Manches aber muss man on premise machen, zum Beispiel wenn man jemanden bei einer Rede aufnimmt, um ihm zu zeigen, wie er wirkt. Künftig wird es Trainerbots (ein automatisiertes Computerprogramm) geben, die genau diese Funktion übernehmen und vielleicht sogar besser Mimiken lesen, als das Menschen können. Und das kommt schneller, als man denkt. Wir reden nicht über 50, wir reden eher über 10 Jahre.

 

 

Über Bitkom

Bitkom ist der Digitalverband Deutschlands. 1999 als Zusammenschluss einzelner Branchenverbände in Berlin gegründet, vertretet dieser mehr als 2.600 Unternehmen der digitalen Wirtschaft.
 Bitkom setzt sich insbesondere für eine innovative Wirtschaftspolitik, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik ein.

 

Annika Keilen
Editor; Interessen: Kultur & Diversität in Organisationen
Aus einer wirtschaftlichen Perspektive ist es leicht, die Welt in Zahlen zu betrachten. Doch wo bleibt in dieser Welt der Mensch? Für Annika bilden die Mitarbeitenden das Herzstück eines Unternehmens. Bei Babbel sieht sie ihre Vorstellung umgesetzt, sodass sie von dieser Unternehmenskultur aus dem Büro hinaus berichtet.